Nationalismus in den USA – Zwischen Tradition und Trump

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Am 7. Mai startete die erste Veranstaltung des Ringseminars in diesem Sommersemester unter dem Titel „Nationalismus in den USA – Zwischen Tradition und Trump“. Diese fand in Kooperation mit der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik GmbH (BAPP) und der Konrad-Adenauer-Stiftung statt. Mit den USA-Spezialisten Dr. Andrew Denison (Transatlantic Networks), Martina Buttler (WDR), Fabian Wendenburg (BDI) und Hendrik Ohnesorge (CGS, Uni Bonn) zu Gast gab es einen intensiven Austausch über den Nationalismus der USA, seine Ursachen und seine Folgen auf nationaler und internationaler Ebene.

Zu Beginn wurde der Nationalismus in den USA als Einheit in der Vielfalt bezeichnet, die das Land zusammenhalte. Der Nationalismus sei mehr als nur die US-Regierung, stattdessen handle es sich um ein großes Land, ein großes Volk und einen vergleichsweise kleinen Präsidenten. Dabei sei Trump der schwächste Präsident, den die USA je hatten. Man berufe man sich auf das „we the people“ und solle nicht bloß auf Washington schauen, da Amerika gerade auf lokaler Ebene aufblühe. Beispielsweise gäbe es bereits Ansätze für Kooperation zwischen einzelnen Bundesstaaten zum Thema Klimawandel. Jedoch habe es unter Trump auch erschreckende Veränderungen gegeben und sich eine Kluft in der Bevölkerung herausgebildet. Dabei vergesse man oft, dass die USA nicht bloß aus east und west coast bestehe, sondern dass gerade dazwischen viel in der Bevölkerung passiert. Trump sei definitiv eine Zäsur in der US-Politik gewesen, jedoch stechen auch bei ihm Traditionslinien wie der Non-Interventionismus in seiner Außenpolitik heraus. Neu sei allerdings die Unverblümtheit seiner Artikulation, seine Strategie der Unruhestiftung und sein Pragmatismus à la deal-making. Des Weiteren stehe der aktuelle Präsident für ein außenpolitisches Nullsummenspiel und für stärkeren Unilateralismus. Bezüglich der Handelspolitik betrachte Trump die Welt als eine community von Wettbewerbern, was der aktuelle Handelskonflikt verdeutlicht. Dabei zeige sich eine stärkere Abhängigkeit Deutschlands von den USA, was Deutschland eindeutig verwundbarer macht. Um sich von dieser Abhängigkeit zu emanzipieren gelte es die deutschen Interessen auch im Rahmen der EU strategisch zu definieren und zu artikulieren. In der weiteren Diskussion ging es ferner um die Ursachen für die Polarisierung in der amerikanischen Bevölkerung. Diese sei jedoch nicht ausschließlich ein Phänomen der USA, sondern finde ebenso in Europa statt und abgesehen von der politischen Ebene seien die Amerikaner in anderen Bereichen, wie z.B. Kultur und Technik sehr geeint. Weitere strittige Punkte waren die Wertedebatte, was überhaupt einen Amerikaner ausmache, sowie das Wahlrecht.

Die Veranstaltung wurde mit abwechslungsreichen Schlussstatements in Form einer Schlagzeile in der Bildzeitung für 2020 einen Tag vor der US-Präsidentschaftswahl beendet. Dabei kamen unter anderem unterhaltsame Ideen wie „You’re fired“, „Bam – und er hat’s wieder gemacht“ oder „4 more years…“ raus.

Insgesamt war es eine interessante und spannende Veranstaltung mit abwechslungsreichen Moderationsideen, interessanten Gästen und regem Austausch zwischen den Referenten und den Teilnehmenden.

Bericht: Ana Sohler Sánchez